Fasten 

Definition 

Heut zu Tage wird das Fasten sehr unterschiedlich definiert und umgesetzt. Es wird völlig oder nur teilweise auf Genussmittel oder bestimmte Nahrungsmittel, wie Fleisch, verzichtet. Die Fastenzeit zwischen Karneval und Ostern wird durch die katholische Kirche festlegt. Mittlerweile werden jedoch verschiedenste Variationen des Fastens praktiziert, wie beispielsweise das alternierende Fasten, das 5:2-Fasten oder das 16/8-Fasten.

Beim alternierenden (1:1-) Fasten wird abwechselnd einen Tag gegessen und einen Tag nur Wasser getrunken. Das 5:2-Fasten erlaubt es, an 5 Tagen normal zu essen und an 2 Tagen maximal 500-600 kcal pro Tag aufzunehmen. Beim 16/8-Fasten wird 16 Stunden pro Tag gefastet und von 8-16 Uhr darf gegessen werden. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche andere Varianten, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte.
 

Was sagt die TCM zum Thema Fasten?

Für viele Menschen ist das Wort „Fasten" mit Verzicht und Zwang assoziiert, aber diese Begriffe sollten meiner Meinung nach nicht mit dem Thema „Essen“ verbunden werden.

Da die Definition des Fastens sehr weitreichend ist, ist es schwer allgemein zu bewerten. Aus chinesischer Sicht hat Fasten nichts mit völligem Verzicht zu tun, sondern viel mehr mit der Reinigung des Körpers durch die Ausleitung von Giftstoffen, im Sinne einer Getreidebrei-Kur. Im Vordergrund steht der Aspekt der Klärung von Körper und Geist, durch dessen Befreiung von unnötigem Ballast, als ein Beitrag zu einer ganzheitlichen Gesundheit. In der TCM soll dies in den sogenannten „Dojo-Zeiten“, den Zwischenphasen die dem Erdelement zugeordnet sind, stattfinden. Zu diesem Zweck werden Getreidebrei-Kuren durchgeführt, mit gut verdaulichem Getreide, wie Reis, Hirse, Grünkern oder Hafer. Reis darf immer verwendet werden, während die anderen Getreidesorten spezielle Wirktendenzen aufweisen. Hirse soll Feuchtigkeit ausleiten, Hafer wirkt wärmend und Grünkern hat einen starken Bezug zur Leber und ist daher für den Frühling sehr gut geeignet. Das jeweilige Getreide wird als Congee zubereitet und in drei Portionen über den Tag verteilt gegessen. Frische Kräuter, Öle und gedünstetes Gemüse dürfen kombiniert werden. Unterstützt wird der Ausleitungsprozess durch das Trinken von klarem, warmen Wasser, viel Bewegung an der frischen Luft, Bäder, ausreichend Schlaf und vor allem Ruhe. Die Kur wird normalerweise an drei Tagen in der Dojo-Zeit durchgeführt, kann jedoch bis auf 12 Tage ausgeweitet werden.

Ob und wie lange eine solche Fastenkur gesundheitlich von Vorteil sein kann, ist stark von der jeweiligen Konstitution des Individuum abhängig!
 

Wer kann vom Fasten profitieren?

Eine Fastenkur bietet sehr viele Vorteile, jedoch profitiert nicht Jeder davon.

Beim Fasten wird das Yang zusammen mit pathogener Hitze vermindert. Bei Menschen mit einer Fülle an Qi, Yin und Yang ist Hitze oder Feuer vorherrschend, die sich oft mit Feuchtigkeit und Schleim (Yin-Pathogen) verbinden. Diese Menschen profitieren sehr gut von einer Fastenkur. Aus der westlichen Sicht liegt Hitze fast immer bei entzündlichen Prozessen vor. Darüber hinaus kann Fasten bei Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten, Diabetes, Darmdysbiose, Migräne oder zur Verminderung des Krebsrisikos hilfreich sein.

Ungünstig ist es für Jene, die einen Mangel an Qi, Blut und Säften, sowie innere Kälte zeigen. Bei diesen Menschen kann Fasten zu gesundheitlichen Problemen führen, da es das vorhandene Leere-Muster verschlimmern würde.

Das Fasten gehört zur Yin-Phase des Körpers, daher sollte es nur in den Dojo-Phasen durchgeführt werden. Drosselt man sein Yang durch Fasten in der Yang-Phase, so besteht die Gefahr, dass es nachhaltig geschwächt wird. Nachfolgend kommt der Körper meistens mit weniger Kalorien aus, sodass man bei gleichbleibender Ernährung zunimmt. Dem kann entgegengewirkt werden, indem man eine Yang-tonisierende Ernährung und ausreichend Bewegung einbaut.

Eine sanfte Methode ist das Nachtfasten (bzw. 16/8-Fasten), das sich bei Personen mit einem Fülle-Muster auch als alltägliche Ernährungsform eignet. Diese Methode entspannt den Organismus, indem sie das Yang abklingen lässt und zu einer Vertiefung in das Yin beträgt. Dazu gehört selbstverständlich auch ausreichend, tiefer Schlaf, sowie der Verzicht auf Kaffee, Alkohol, Zigaretten, Stress, Aufregung und übermäßigen Sport, um dem Körper die Möglichkeit zu geben, ganzheitlich zur Ruhe zu kommen.

Da ein entscheidender Faktor des heutigen Essverhaltens Disziplin ist, ist ein Fasten-Ritual ein guter Einstieg um Kontrolle über seine Gewohnheiten zu gewinnen. Man sollte es jedoch nicht zu einen Zwang werden lassen, ansonsten schadet man seinem Körper mehr, als das man ihm etwas Gutes tut.


Kritik aus der Sichtweise der TCM

Aus der Sicht der TCM werden beim Thema „Fasten“ oft die unregelmäßigen Mahlzeiten kritisiert, die das Verdauungssystem (die Mitte) schwächen. Dies trägt zu einer vermehrten Produktion von Feuchtigkeit bei, anstatt den Körper zu entlasten. Während einer Fastenkur sollte daher immer auf seinen Körper gehört, auf seine Verdauung geachtet werden. Reis und Hirse können austrocknend wirken und somit den Magen schwächen. Die Ergänzung des Getreidebreis mit Birne, Apfel, oder Trockenfrüchten kann daher hilfreich sein.

Der Körper profitiert von regelmäßigen Essens- & Schlafzeiten, daher ist eine Form des Fastens mit einem geregelten Rhythmus zu bevorzugen, wie das 16/8-Fasten. Dabei sollte das Hungergefühl keinesfalls übergangen werden, da dies in der TCM ein Zeichen von Gesundheit bedeutet. Wird dies regelmäßig ignoriert, schwächt dies die Quelle an Qi in unserem Körper (Milz und Magen). Darüber hinaus wird mit Fasten meist der Druck verbunden, auf Uhrzeiten und Kalorien zu achten, was jedoch eine komplett falsche Herangehensweise darstellt. Verbote führen auf Dauer zu einem Heißhungergefühl, sodass man zu erlaubten Zeiten besonders viel und ungesund isst, vor allem beim alternierenden Fasten. Nicht selten entsteht ein innerer Druck und Stress, der die Leber belastet und zu Entwicklung von Hitze im Körper führt.

Unabhängig davon, für welche Fastenkur man sich entscheidet, ist es immer wichtig auf einen ausreichenden Nährstoffeintrag zu achten, hochwertige Nahrungsmittel auszuwählen und auf das individuelle Sättigungsgefühl zu hören. Das Vertrauen und die Kontrolle über den eigenen Körper sollte einem zu keinem Zeitpunkt verloren gehen und solange man sich rundum wohl fühlt, ist es jedem selber überlassen, wie man das Thema „Fasten“ umsetzt.

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